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Auf der Kläranlage Prenzlau

Der Weg zum sauberen Wasser

Was in Prenzlau und Umgebung im Abfluss verschwindet, taucht auf der Kläranlage in der Freyschmidtstraße 20 wieder auf. Rund um die Uhr laufen stündlich ca. 200 Kubikmeter Abwasser ein – das entspricht etwa 1.000 Badewannenfüllungen. Aber wie wird das schmutzige Wasser eigentlich wieder sauber? Die UckerStrom Zeitung hat Mitarbeiter Sebastian Retzlaff begleitet. Der Elektriker arbeitet seit 6 Jahren auf der Kläranlage der Stadtwerke Prenzlau und behält auch im Bereitschaftsdienst von Zuhause auf dem Monitor alle technischen Abläufe im Blick.

Aus der Vogelperspektive wirkt die Kläranlage der Stadtwerke sogar noch eindrucksvoller.
Fotos (7): SPREE-PR/Petsch

Fakten Kläranlage Prenzlau

  • Betrieb: 24/7, wöchentlich abwechselnder Bereitschaftsdienst 24h – 7 Tage 2 Mitarbeiter
  • Personal: 12 Mitarbeiter, zwei Auszubildende
  • Abwasserzufluss: ca. 200 m³ pro Stunde (≈ 4.800 m³ pro Tag)
  • Rückhaltebecken: Nutzung zur Zwischenspeicherung bei Spitzenlasten (z. B. tagsüber mehr Zulauf als nachts)
  • Ersatzprinzip: 2 Belebungsbecken, 2 Nachklärbecken, 2 Faultürme – eine Anlage ist im Betrieb, die zweite wird gewartet oder repariert.

Einlauf Non-Stop

Aus dem Einzugsgebiet Prenzlau läuft rund um die Uhr über ein unterirdisches Kanalsystem das Abwasser zur Kläranlage und sammelt sich zunächst in einem Zulaufschacht. Zusätzlich werden Fäkalien aus Sammelgruben per LKW angeliefert. „Im Maschinenraum wird das Abwasser zunächst mit Pumpen nach oben befördert, da die erste Reinigungsstufe baulich höher als der Zulauf liegt“, erklärt Sebastian Retzlaff.

Der Müll muss raus

In der Rechenanlage, der ersten Reinigungsstufe, wird zum ersten Mal mechanisch gefiltert. Alles, was nicht ins System gehört, bleibt hängen – von Feuchttüchern über Kleidung und Spielzeug bis hin zu Besteck oder Steinen. „Wir haben bisher alles gefunden“, so Sebastian Retzlaff. Die Rechen fischen die Grobstoffe raus, die eigentlich in den Hausmüll gehören. Verpresst landet der Unrat in Containern, Abholbereit für die Müllabfuhr. 80 Tonnen kommen so jährlich zusammen. Das vorgereinigte Wasser strömt unterdessen in den Sandfang. Dort wird die Fließgeschwindigkeit des Abwassers reduziert, damit sich schwere, mineralische Bestandteile wie Sand und Kies am Boden absetzen.

Milliarden von „Kollegen“

Wir stehen vor dem riesigen Belebungsbecken. Es fasst 5.600 Kubikmeter. Die biologische Reinigungsstufe ist zentraler Teil der Kläranlage. Hunderte Belüftungskerzen am Boden sorgen für Sauerstoffzufuhr, was das Wasser blubbern lässt, in Bewegung hält, aber vor allem die Milliarden unsichtbarer „Kollegen“ mit Sauerstoff versorgt. Gemeint sind die gefräßigen Mikroorganismen, die hier leben. Die Bakterien und Mikroben „fressen“ die organischen Stoffe im Abwasser und bauen sie ab. „Das sind eigentlich unsere Hauptakteure“, sagt Retzlaff.

Letzter Schritt der Reinigung findet im Nachklärbecken satt. Hier trennt sich das Wasser vom Schlamm: Bakterienflocken sinken nach unten, oben fließt das nun saubere, klare Wasser über Ablaufrinnen ab und zurück in die Natur.

Tests im Eigenlabor

Unterdessen untersucht im eigenen Labor Jonas Kühn eine Probe vom Schlammvolumen. „Um zu bestimmen, wie viel Biologiemasse in der Belebung vorhanden ist“, erklärt die Fachkraft für Abwassertechnik. Ein wichtiger Wert, um die biologische Reinigung richtig steuern zu können. Drei Mal pro Woche wird zudem die Qualität des Wassers im eigenen Labor beprobt, unabhängig von den regelmäßigen Überprüfungen vom Umweltamt. Schließlich müssen gesetzliche Vorgaben und Grenzwerte exakt eingehalten werden.

Alles im Blick

In der Leitwarte wird die gesamte Kläranlage digital überwacht und gesteuert. Die Mitarbeiter können rund um die Uhr sehen, wie Pumpen, Reinigungsstufen oder Durchflüsse arbeiten. Sie zeigt alle Anlagenzustände in Echtzeit, ermöglicht Fernzugriff und löst automatisch Alarm aus, wenn etwas nicht normal läuft. Die wöchentlich wechselnde 24/7-Bereitschaft wird automatisch informiert.

PV-Anlagen

Kläranlagen sind nicht nur „Energiefresser“, in Prenzlau auch Energieerzeuger. Mehrere PV-Anlagen auf der Kläranlage erzeugen Strom. Damit könnten etwa 70 % des Eigenbedarfs abgedeckt werden. Und: Der Überschussschlamm aus der biologischen Reinigung wird im Faulturm bei 36 Grad unter Ausschluss von Sauerstoff durch Bakterien zersetzt. Dabei entsteht Klärgas. Sebastian Retzlaff: „Dieses Gas nutzen wir im eigenen Blockheizkraftwerk, um unsere Gebäude zu heizen und die Kläranlage mit Strom zu versorgen.“